Glückskekse

GLÜCKSKEKSE (5)

Neues vom »Netzwerk Hessen – China«

Glückskekse


Vielleicht erinnern Sie sich an die Schilderung meines Besuchs an der Tongji Universität in Shanghai, wo mich eine plötzliche Erkrankung fast davon abgehalten hätte, dort tags darauf vor zahlreichen Studenten einen wichtigen Vortrag zu halten. Dass dieser dann doch noch zustande kam, habe ich allein Prof. Li Guohao zu verdanken, dem damaligen Präsident der Universität, der mir auf äußerst überzeugende Weise die Vorzüge der Traditionellen Chinesischen Medizin – kurz: TCM – demonstrierte und dafür persönlich ein entsprechendes Medikament aus der Apotheke besorgte. Ein Infekt, der mich hier sicher für einige Tage außer Gefecht gesetzt hätte, konnte dort mit Hilfe eines Kräuterelixiers binnen einer Nacht geheilt werden. Verständlicherweise gilt der TCM seit jener bemerkenswerten Erfahrung mein besonderes Interesse und auch seitens unseres »Netzwerk Hessen-China« haben wir Bestrebungen unternommen, diese Jahrtausende alte chinesische Heilkunst, die auf den Säulen Akupunktur, klassische chinesische Massagen und Kräuterheilkunde steht und in China parallel zur westlichen Schulmedizin praktiziert wird, in Deutschland noch stärker als im bisherigen Maße zu verankern. Denn während sich die Akupunktur bereits zu einem Exportschlager entwickelt hat, sind die meisten der einigen Tausend Heilkräuter, die häufig in entlegenen und nur schwer zugänglichen Gebieten Chinas wachsen, hierzulande kaum erhältlich. In Einzelfällen liegt das am Preis, etwa bei einem gegen schweres Lungenleiden wirksamen Heilkraut, das ausschließlich in den höchsten Bergregionen Tibets zu finden ist und daher pro Pfund rund 5.000 Euro kostet. Im Wesentlichen ist die spärliche Verfügbarkeit chinesischer Heilpflanzen, von denen bis zu 30 verschiedene für eine einzige traditionelle Rezeptur zum Einsatz kommen, jedoch auf deren nach unserem Verständnis noch mangelnde wissenschaftliche Untersuchung zurückzuführen. In China erachtet man die dort bereits Jahrtausende währende positive Erfahrung als ausreichend, hier hingegen, wo eine solche Tradition fehlt, muss erst das Gütesiegel des Labors abgewartet werden. Immerhin gibt es bereits rund 80 auf TCM spezialisierte Apotheken und eine stetig wachsende Anzahl von Ärzten und Kliniken in Deutschland, die chinesische Heilkunst mit Erfolg praktizieren. So wurde etwa Mitte letzten Jahres einer breiteren Öffentlichkeit der Fall eines vierjährigen Jungen mit schwerster Neurodermitis bekannt, der trotz Kortison und Antibiotika erst wieder geheilt werden konnte durch die Verabreichung von getrocknetem Beifußkraut, verbunden mit Körperübungen und einer gezielten Ernährungsumstellung nach den Grundsätzen der TCM. Diese – auf intensiver Naturbeobachtung beruhend, wie letztlich auch die chinesische Philosophie – setzte schon immer auf eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten, lange bevor sich diese Erkenntnis auch bei uns allmählich durchzusetzen begann. Die Methoden und Erklärungsmuster der TCM – von Yin und Yang bis Qi – mögen uns gelegentlich etwas exotisch erscheinen, doch ihre Erfolge sprechen für sich. Hier kann der Westen getrost von China lernen.

Alfred Schmidt war von 1987 bis 1991 hessischer Wirtschaftsminister und ist seit 1995 Sonderbeauftragter der Stadt Kassel für Wirtschaftsförderung sowie, neben Prof. Dr.-Ing. Zeng Deshun, Präsident des 2003 gegründeten »Netzwerk Hessen-China« (www.hessen-china.de)

Das Netzwerk Hessen-China verbindet Menschen und Märkte in Deutschland, Europa und China zur Verbesserung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenarbeit.
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